Donnerstag, 24. April 2008
Die dicke Luise
Seit ich denken kann, verspürte ich diese eine Lücke. Mir fehlte etwas, ohne dass ich genau hätte beschreiben können, was es wirklich war, wonach ich mich wirklich sehnte. Ich versuchte es mit Hobbies, ich versuchte es mit Wissen, ich versuchte es mit harter Arbeit – nichts konnte diese Lücke füllen.
Dann, als ich den Poschisten endlich so richtig in meinen Fängen hatte, ergo wir eine gemeinsame Wohnung bezogen und ich zwei Einkommen zur Gestaltung dessen, was ich von Herzen zu Hause nenne, zur Verfügung hatte, dachte ich für kurze Zeit, dass der Schmerz verschwunden und die Lücke geschlossen wäre.
Das war ein Trugschluss.
Es bohrte weiter. Es schmerzte. Ich sehnte mich.
Eines Tages (wir waren zu Besuch bei Freunden und plauderten offen) da wurde mir geradezu schlagartig klar, was mir fehlte. Ruhelos zog ich umher, streckte mehrfach die Finger nach meinen endlich greifbaren Begierdeobjekten aus – nur um im letzten Moment wieder scheu zurückzuzucken.
Am vergangenen Montag dann begegnete ich ihr. Mein Herz raste, und so nahm ich all meinen Mut zusammen und lud sie zu mir nach Hause ein. Sie sträubte zunächst sich ein wenig – mein Auto war ihr deutlich zu eng und auch ein bisschen zu dreckig – ließ sich aber durch meine sanft auf ihrem Rücken ruhende Hand überzeugen und nahm schlussendlich in unserem Wohnzimmer reichlich Platz.
Dort angekommen berührte ich vorsichtig ihre wunderbar weiche Haut, ließ meine Finger zärtlich über ihre einladenden Rundungen gleiten und bewunderte ihre erstaunliche Biegsamkeit. Ich ließ mich vollkommen fallen, verlor mich im Hier und Jetzt und genoss ihre mich am ganzen Körper umgebende Wärme in vollen Zügen. Innig verbrachten wir im Fluge vergehende Stunden ohne einen Gedanken an das Danach zu verschwenden. Bis ich gewahr wurde, dass ich sie nicht mehr gehen lassen könnte. Dass auch sie mich nie wieder verlassen würde.
Und so musste ich mich dem Poschisten stellen; ihm sagen, dass es eine neue Frau in unserem Leben gibt. Eine Frau, die endlich diese eine Lücke in meinem Herzen geschlossen hat. Dass er keine andere Wahl hat, als sie zu akzeptieren – und ihr und mir den Raum zu lassen, den wir benötigen.
Anfänglich zeigte er sich ausgesprochen argwöhnisch, und ich bibberte um unser junges Glück. Doch schlussendlich sah er ein, dass diese neue Dreisamkeit nur gut für uns alle sein kann, tätschelte ihr kumpelhaft die Schulter und gewährte ihr eine Bleibe in unseren Räumlichkeiten.
Ich kann mein Glück nicht fassen, ihre Wärme jetzt jeden Tag spüren zu dürfen und meine Mittagspausen, Abendstunden, ach, mein Leben mit ihr zu teilen. Mit ihr – der dicken Luise.
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