Dienstag, 28. November 2006
Soziale Kompetenz
Sie legt ihre kleine Stirn in Falten, als ihr die aufgeregte Stimme ins Wort fällt. 1, 2 lange Schritte, und sie kann an mir vorbei schielen, sich eine Strähne des wunderbar dicken, goldenen Haares aus dem rosigen Gesicht streichen und ihre kleine Schwester mit festem Blick strafen. Du bist unhöflich!
sagt sie und runzelt noch deutlicher. Ich wollte dich nicht unterbrechen, aber du redest so viel und ich möchte auch mal was sagen.
entschuldigt sich die Kleine mit den süßen, braunen Locken links neben mir und zieht dabei die Nase auf diese eine Art kraus, die Herzen schmelzen lässt. Ja gut, aber lass mich bitte erstmal ausreden. Dann darfst du.
nickt die Große und fährt mit ihrer Erzählung von viel zu schweren Viertklässler-Mathearbeiten fort.
Sie sind so erwachsen geworden
denke ich und bin rettungslos fasziniert von dem kleinen Dialog, der da soeben um mich herum geführt wurde. „Du bist unhöflich“ – was für ein Satz. Und was für eine wunderbare Reaktion auf ihn.
Ich schüttele innerlich den Kopf über meinen Gedanken, dass sie „so erwachsen“ wirken. Wann habe ich das letzte Mal erwachsene Menschen so ehrlich, so klar und sachlich miteinander sprechen hören? Ich denke dann, dass „Sie sind so herrlich kindlich“ es vielleicht besser getroffen hätte. Aber auch das fühlt sich falsch an. Wie viele Kinder habe ich im Bus, in der Stadt, auf der Straße vor meiner Wohnung erlebt, die sich allenfalls „Du bist doof und stinkst!“ um die Ohren hauen, wenn Ihnen etwas nicht passt?
Es ist etwas ganz Wertvolles, was diese beiden Kinder da haben. Ich hoffe so sehr für sie, dass sie es mitnehmen können. Mit hinaus in die weiterführende Schule, in die Pubertät – über den Zeitpunkt hinaus, an dem ihre Eltern den Einfluss verlieren. Mit hinaus in ihr eigenes Leben. Wenn sie sich alleine behaupten müssen.
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