Ich rufe sie an; noch während des Klingelns denke ich, dass ich mich schon lange nicht mehr gemeldet habe, freue mich trotzdem insgeheim schon auf ihre begeisterte Alltags-Schilderung. Anfang des Jahres telefonierten wir das letzte Mal, da lachte sie mir ins Ohr Du wirst es nicht glauben, ich habe einen Job!
, und wir schnatterten ganz aufgeregt über ihre Möglichkeiten, die sich jetzt ergeben.
Sie klingt fröhlich, als sie das Gespräch annimmt, wir reden 1, 2 Minuten über das Lange-nicht-mehr-Telefonieren, über die Sonne, über die kleine Vivi, die ja schon so groß ist und im Kindergarten erfolgreich Jungensherzen erobert – bis ich sie frage, was der Job macht. Ach, das weißt du ja auch noch nicht!
seufzt sie in mein Ohr, Die haben mich direkt gefeuert.
. Kurze Stille in der Leitung, ein „Wie, die haben dich gefeuert?“, und sie beginnt zu erzählen.
Pünktlich zu Beginn der Probezeit ist Vivi krank geworden. Keine einfache Erkältung, kein simples Wehwehchen, sondern eine richtige Lungenentzündung hatte die Kleine. Es ging ihr so schlecht, dass Steffi sie nicht in den Kindergarten bringen, sie nicht alleine lassen konnte. Ein Anruf beim Arbeitgeber, ein eindringliches, hoffnungsschweres Erklären der Situation – das war das Erste, was Steffi tat, noch bevor sie Vivi kühlende Wadenwickel anlegte. Die Reaktion war freundlich, verständnisvoll, mutmachend; sie solle sich direkt wieder melden, wenn sie ihr Wiederkommen absehen könnte.
Als Steffi wenige Tage später genau diesen Anruf tätigte, schnitt ihr ein kaltes Das hat sich erledigt, wir können Sie hier nicht brauchen.
das Wort ab und ließ Steffi mit ihrer Hoffnung, mit ihren Wünschen und ihrer Zukunft alleine.
Sie jobbt jetzt nebenbei in einer Bäckerei. Etwas hinzuverdienen, in Bewegung bleiben, guten Willen zeigen.
Nachdem wir auflegen hallen mir ihre Worte, ihre Situation im Ohr. Und wieder ist mir ein kleines bisschen schlecht, weil ich niemanden direkt verantwortlich machen kann dafür, dass Steffi als junge Mutter ihren Weg vor lauter Steinen nicht gehen kann.
Jetzt sind also die kleinen Racker dran. Deutschland mehre dich, mach der Welt viele fleißige, gut gelaunte Nachwuchssteuerzahler; am besten noch, bevor wir einen Plan haben wie wir sie alle in Kindergärten unterbringen und Schulsystem-Defizite interfamil
Aufgenommen: Samstag, 5. Januar 2008