Manchmal ist es geradezu hochinteressant, sich selber zu beobachten. Insbesondere während einer recht lang anhaltenden „Alles was ich anfasse, verkommt zu einem kleinen Häufchen Asche“-Phase. Denn im Laufe einer solchen folgt die Art der Reaktion auf unglücksame Ereignisse einer ganz eigenen Dramaturgie.
Stufe 1: Die „Huch, wasn nu los“-Phase
Dir fällt auf, dass sich unglücksame Ereignisse häufen und legst verwundert den Kopf schief. Sicherheitshalber kontrollierst du alle in deinem Besitz befindlichen Spiegel auf womögliche Bruchstellen. Da du keine finden kannst, bist du guter Hoffnung und wartest geduldig auf Besserung.
Stufe 2: Die Zorn-Phase
Du denkst dir „Das darf ja wohl nicht wahr sein!“ und wetterst gegen die Welt und das Leben, die es beide nicht gut mit dir meinen. Du läufst wutschnaubend durch die Wohnung und brüllst Blumentöpfe an, weil sie da so faul und aalglatt rumstehen, während du hektisch versuchst, den Schaden zu begrenzen.
Stufe 3: Die Trotz-Phase
Du erkennst, dass Zorn dir das Leben nur noch schwerer macht und beginnst, über weitere unglücksame Ereignisse zu lachen, und das aus Prinzip. Du machst dich über die Häufung von Rückschlägen lustig und fragst herausfordernd, ob da nicht noch mehr ginge. Du benutzt von hysterischem Lachen begleitete Sätze wie „War ja klar“ inflationär.
Stufe 4: Die Armes-Ich-Phase
Du streckst die Hände von deinem Körper weg und stellst dem ratlosen Mann an deiner Seite wiederholt die Frage „Womit hab ich das verdient?“, wahlweise auch „Wird das denn nie enden?“. Du bedauerst dich reichhaltig zu jeder sich bietenden Gelegenheit und stellst dich schon rein intuitiv immer genau an der Kasse an, an der die Rolle gewechselt werden muss.
Stufe 5: Die Trauer-Phase
Du hast keine Kraft mehr, dich selber zu bedauern und bist einfach nur noch traurig. Dein Kopf ergibt sich kampflos der Erdanziehungskraft und baumelt bar jeglicher Motivation von deinen Schultern herab. Du kniest auf dem Boden vor Parkhäusern des Bundesministeriums der Verteidigung, um ausgiebig sterbende Hummeln zu beweinen.
Stufe 6: Die „Dann is et halt so“-Phase
Du ergibst dich in dein Schicksal und empfindest die Leere in deinem Inneren als ausgesprochen angenehm. Frisch angebrachten Vlies-Tapeten, die auf dem Putz befindliche Notizen durchscheinen lassen und dich zum ungeplanten Anstrich des Raumes zwingen, entgegnest du schulterzuckend. Du schenkst Möbelhausmitarbeitern, die deine Matratze nach wochenlangen Verzögerungen in der falschen Größe liefern, keine bösen Worte, sondern ein nettes, politisch korrektes Lächeln. Es ist dir überraschend wurstbrot, dass dir kein guter Schlusssatz für einen Blogeintrag einfällt.
Ich freu mich. Die „Alles was ich anfasse, verkommt zu einem kleinen Häufchen Asche“-Phase hat eine erneute Erweiterung erfahren. Das versetzt mich in die glückseelige Lage, Stufe 10 erleben zu dürfen. Ihr fragt: Wasn nu schon wieder. Ich sach: Ich
Aufgenommen: Mittwoch, 20. Dezember 2006