Als ich aus dem Bürogebäude trete, fühlt es sich an, als hätte jemand einen Schraubstock ganz fest um meine Schläfen gelegt. Ich fühle mich niedergeschlagen und müde, schlurfe über den im Sommer noch so wunderbar glutheißen Platz und sehe dabei den wenigen braunen Blättern zu, wie sie sich zitternd an ihren Baum klammern.
Es fröstelt mich – ich hebe instinktiv den Kopf, suche nach der Sonne, um mich an ihr zu wärmen. Doch es sind nur Wolken zu entdecken. Schwere, tiefgraue, bisweilen schwarzgepunktete Wolken, soweit mein Auge reicht. Ich seufze hörbar. Ich glaube zumindest, dass ich seufze, denn eine kaltfeuchte Windböe kommt vorübergeeilt, trägt jeden menschlichen Laut fort, entreißt dem Baum einige seiner ängstlichen Blätter und trägt sie bedenkenlos mit sich ins triste Nirgendwo.
Schnell, fast erschrocken, senke ich meinen Kopf und starre auf den Boden. Ich möchte schneller gehen, dem Grau und der Kälte entfliehen, doch meine Beine sind zu lustlos, schlurfen weiterhin langsam über den rauen Asphalt. Sie wissen jetzt besser als ich, dass das Ziel nicht mit Schnelligkeit in Metern, sondern nur mit Geduld in Zeit erreichbar ist.
So gehe ich bis zum Parkhaus, bis mich ein winziges, weiches Hindernis am Fortschreiten hindert. Mitten im Weg liegt sie, klein und leblos: eine Hummel. Traurig knie ich neben diesem zarten Wesen nieder, will sie hier nicht liegenlassen, hier, wo eilige Menschen kein Auge für tote Hummeln haben und sie zertreten würden. Als ich sie in die Hand nehmen will, regt sich plötzlich ein Bein. Zuerst denke ich: Das ist nur der Wind. Dann erkenne ich, dass die Hummel noch lebt, noch ein kleines bisschen.
Plötzlich schießen mir die Tränen in die Augen; das kleine, sterbende Wesen schafft das, was die letzten Wochen nicht geschafft haben – ich weine. Weine um eine Hummel, die es nicht verdient hat, alleine in dieser windigen Kälte zu sterben, um den verlorenen Sommer, um Menschen, die zu weit weg sind, um wirklich für sie da zu sein, weine um ein Jahr, dass mir zu viele tiefe Schläge verpasst hat.
Menschen gehen an mir vorbei, ich nehme sie nur verschwommen durch den Schleier aus Tränen und viel zu blondem Haar wahr. Ich frage mich, wie seltsam das wohl für sie aussehen muss, wenn sie meine Gestalt hier auf dem Boden kniend sehen, den Kopf gesenkt, die Hände zu einer schützenden Höhle geformt. Niemand hält inne, niemand fragt. Doch ich kann sie verstehen. Das Leben ist viel zu schnell, um stehenzubleiben.