In einer TV-Wiederholung gestern drang es schon wieder an meine im Allgemeinen als sehr klein bezeichneten Ohren. Ich kann es nicht mehr hören – es mag zwar merkwürdig überzogen klingen, aber es macht mich wirklich wütend, dieses
Daran will ich mich messen lassen
aus Politikermunde. Getz mal ganz ehrlich: Mir ist persönlich niemand bekannt, der sich für das Messen von Einzelpersonen interessiert. Es hat auch noch nie jemand hektisch meinen Weg gekreuzt, wild mit einem Maßband gewedelt und gerufen „Platz da, aus dem Weg! Ich habe einen Politiker zu messen!“.
Zugegeben, das wäre auch etwas merkwürdig, weil der den schönen Spruch aufsagende Politiker ja gar nicht seinen Körper vermessen lassen möchte, sondern die Qualität seiner Arbeit. Ach so, da wären wir ja schon! Es geht also um Inhalte, wenn es hier ums Messen geht. Schön und gut.
Gut? Mitnichten. Ich könnte mich mit „Daran will ich meine Leistung messen lassen“ ebensowenig anfreunden. Denn auch hier geht es um das Messen, um das Bewerten der Leistung einer Einzelperson. Dabei ist die Leistung dieser Einzelperson – gleichgültig in welcher Position – im Gesamtkontext vollkommen uninteressant. Zwar nicht unerheblich, aber nun mal nicht interessant. Denn die Leistung eines einzelnen Politikers ist nur in wenigen Fällen Gegenstand oder gar Ursache von Landesproblematiken.
Es ist dieser Ego-Trip, diese Verlagerung von Inhalten zu Personen oder Parteien, die mich wütend macht. Ebenso wie die gängige Praxis, den Schwarzen Peter von einer Partei zur Nächsten durchzureichen. Das ist Zeit- und Energieverschwendung; Energie, die die Damen und Herren gerne an einem lustigen Stammtisch in kuschelig verrauchten Kneipen freisetzen können.
Da kann Parteivorsitzender X Minister Z zu gerne „Du bist doof und stinkst“ an den Latz knallen, und jeder, der nicht innerhalb von 10 Sekunden was noch viel Schlimmeres an seinem Gegenüber findet, als er oder seine Partei selber verbrochen hat, kann dann von mir aus auch gezwungen sein, einen Kurzen zu trinken. Bis sich zur Sperrstunde alle rührselig in den Armen liegen und sich beichten, dass man sich eigentlich ja total lieb hat, aber nun mal seinem Ego erlegen ist. Fänd ich OK. Können’se machen.
Jetzt könnte man aufschreien und mir zurufen, dass man mit Friede-Freude-Eierkuchen keine Politik machen und mit Inhalten keine Stimmen fangen kann. Es ist mir aber durchaus bewusst, dass Reibungspunkte zwischen Parteien unerlässlich sind, um alle Aspekte zu berücksichtigen und zu guten Lösungen zu gelangen. Es ist mir auch bewusst, dass ein bisschen Personenkult notwendig ist, um das dumme Wählervolk bei der Stange zu halten. Es ist die ständige Thematisierung der Fehler Anderer, das Suhlen im Vergangenheitsdreck, die Ver-ego-risierung der Politik, wenn es doch um ein gemeinsames Ziel – nämlich gemeinsame, funktionierende Lösungen für dieses Land zu finden – geht, die ich für völlig unverhältnismäßig und unangebracht halte.
Mir schwant, es würde nicht nur meinem Blutdruck gut tun, wenn diese Kleinkriege zu dem würden, was sie im Grunde sind: Nebenschauplätze.