Manchmal glaube ich, ich bin nicht nur ein wenig irre, langsam werde ich wunderlich was „meine“ Katzen angeht.
Donnerstag war der Termin, schon Montag fing ich an, latent nervös zu sein. Dienstag hatte ich das erste Mal Angst um das kleine Mädchen. Mittwoch Abend wurde ich richtig nervös und konnte nicht einschlafen. Donnerstag Morgen beschlich mich panikähnliche Angst: Ich fuhr die Kleine heulend zum Tierarzt, gab sie heulend ab, fuhr heulend zur Bank, kaufte mir heulend eine Nussecken-Nervennahrung, aß sie heulend im Auto, fuhr heulend wieder nach Hause, bereitete heulend die Wärmflasche für die Fahrt, holte die Kleine heulend ab.
Das ganze wohlwissend, dass eine Kastration ein Routineeingriff ist; auch wissend, dass jemand, dem ich schon bei der gleichen OP assistieren durfte (ist das wirklich schon 8 Jahre her?), also Jemand, der mein vollstes Vertrauen genießt, die OP durchführen und über mein Mädchen wachen wird.
Es ist alles gut gegangen, die Kleine ist kastriert und entspricht meiner Einschätzung im Vollen. Natürlich war das Erste, was sie machte, nachdem sie wieder einigermaßen bei sich war, an der Wunde zu lecken. Natürlich hatte ich mir daher schon einen Kragen mitgeben lassen. Natürlich muss die Kleine ihn jetzt tragen. Und natürlich ist sie totunglücklich.
Sie findet keine Ruhe, dieses doofe Ding um ihren Kopf verleidet ihr glatt das Schlafen, das Trinken und Fressen, sie kann sich nicht putzen und leckt daher fast manisch die Innenseite des Kragens – und muss das alles bis nächste Woche Samstag, volle 10 Tage, ertragen.
Der Dicke entspricht natürlich auch meinen Erwartungen und hat nichts Besseres zu tun, als sie zu ärgern, wo er nur kann. Liegt sie einmal ruhig, kommt er angewatschelt und will ihren Platz. Will an ihren Bauch, beißt sie feste in den Nacken – wir mussten den Dicken schon einige Male böse in seine Schranken weisen. So ein frisch operiertes Mädchen sollte man wie ein rohes Ei behandeln und nicht noch quälen, bis sie schwach weint, weil sie zum Schreien und Eigenwehr noch keine Kraft hat. Absolut kein Feingefühl beim Herrn Gewaltkater vorhanden.
Sie sucht daher wie gewohnt Schutz auf meinem Schoß, und da findet sie auch Ruhe. Was aber zur Folge hat, dass ich nicht vernünftig arbeiten kann: so eine angeschlagene, tottraurige, übermüdetete Katze mit Kragen ist schon schwerer zu handhaben, als ein kleines, gesundes, strahlendes Mädchen.
Das Engelchen tut mir so unglaublich leid. Da hilft auch alles „Ist ja nur für kurze Zeit und danach ist alles wieder in Ordnung“ nicht.